Spontaner Kurztrip zu den Wildpferden

Samstag, o9.09.2017

Endlich Sonne und unterwegs

Der Regen lässt langsam nach. Die ersten Sonnenstrahlen lassen die Tropfen auf den Scheiben des Bullis glitzern und funkeln. Und wir sind endlich unterwegs.

Unterwegs wohin? Ich habe nicht die geringste Ahnung. „Ich hab da eine Idee. Willst du dich überraschen lassen?“ hat mich mein liebster Mitreisender gefragt. Aber gerne doch! Wir haben uns also spontan am Samstagnachmittag auf den Weg gemacht.

Eigentlich wollten wir ja schon seit zwei Tagen unterwegs sein… eigentlich.

Eigentlich…

Eigentlich haben wir uns auf ein langes Wochenende im Bulli gefreut. Donnerstagnachmittags los, irgendwann am Montag zurück. Vielleicht mal in die Niederlande? Ijselmeer? Oder Richtung Süden? Osten? Vielleicht doch mal wieder in den Norden? Wir haben tagelang die Wettervorhersage beobachtet und Pläne gesponnen.

Und dann war da plötzlich dieser wichtige Termin am Samstagvormittag. Unschöner Anlass, aber eine schöne Aktion mit Freunden. Wir hadern tagelang mit der Absage unserer Reise. Letztlich macht es uns die Wettervorhersage dann aber doch ganz leicht. Regen, Regen, Regen – tagelang ist nichts als Regen vorhergesagt. Überall. Wir bleiben also zuhause, wo es warm und trocken ist.

Auf in’s Ungewisse

Am frühen Samstagnachmittag haben wir alles hinter uns gebracht, sind müde und zufrieden und auch der unaufhörlich scheinende Regen hört langsam auf.

Also los!

Ich weiß (wie bereits erwähnt) nicht, wohin es geht. Grobe Richtung Norden kann ich wohl feststellen. Wir rollen also durch’s Münsterland. Auflockernde Wolken über Feldern. Ganz entspannt.

Obwohl – ein bisschen komisch fühlt es sich schon an, nicht zu wissen, wohin es geht. Sonst ist das ja eher mein Job, Ziele vorzuschlagen und Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen. Aber heute lasse ich mich überraschen und genieße erstmal die Fahrt und langersehnten Sonnenstrahlen.

Das geheimnisvolle Ziel

Nach etwas mehr als 30 Kilometern endet unsere Fahrt in Dülmen.

Dülmen also. 46.000 Einwohner. Münsterland. Wildpferde. Bestimmt schonmal durchgefahren. Aber eigentlich kenne ich die Stadt nur von der Arbeit – ein paar Jahre lang habe ich unter anderem Taxibus-Buchung entgegengenommen und dabei viele Menschen über die Aussprache der Haltestelle Charleville-Mézières-Platz stolpern hören („Tschallewille-Metzeres… ach, Sie wissen schon, CMP.“).

Was meinen liebsten Mitreisenden hierher gelockt hat, war die Kombination aus kostenlosem Stellplatz, kurzer Anreise und Kartoffelmarkt.

Kartoffelmarkt in Dülmen

Besagter Kartoffelmarkt ist an sich ein handelsübliches Stadtfest mit verkaufoffnenem Sonntag.

Nachdem wir es also geschafft haben, den Weg über die Tankstelle, um die Tankstelle herum und nochmal um eine eher enge Kurve zum Wohnmobil-Stellplatz Hüttendyk gefunden haben, machen wir uns erstmal auf den Weg in die Innenstadt.

Das ist nur ein kurzer Spaziergang durch einen Park, ein kleines Stück die Straße entlang und schon empfangen uns Kunsthandwerker-Stände und Freßbuden im strahlenden Sonnenschein. Wir schlendern, gucken und genießen die Sonne. Und dann ist es auch schon 18 Uhr und ratzfatz sind die Bürgersteige hochgeklappt.

Wir sammeln noch ein paar letzte Strahlen Abendsonne ein, bewundern alte Fassaden und bunte Pferdeköpfe – eine Instalation des Künstlers Ottmar Hörl, initiiert vom Kunstverein Dülmen.

Den gemütlich Teil des Abends beginnen wir mit Burgern und Bier und beenden ihn mit ein paar Cocktails.

Ausschlafen

Sonntag, 10.09.2017

Endlich mal wieder ausschlafen! Wir bleiben bis nach dem Frühstück im Bett und machen uns dann irgendwann nochmal auf den Weg in die gerade zum verkaufsoffenen Sonntag erwachende Innenstadt von Dülmen. Bummeln über die „Holländische Meile“ (Blumen, Käse, Fisch und Süßes) und gönnen uns noch ein Eis – die Sonne scheint nämlich schon wieder.

Wildpferde im Merfelder Bruch

Und dann geht es weiter zu den Wildpferden.

Im Merfelder Bruch leben auf einer Fläche von 360 Hektar rund 400 kleine Pferde weitgehend ohne menschliche Einmischung. Man kann sie von März bis November am Wochenende besuchen.

Genau genommen sind die Dülmener gar keine richtigen Wildpferde, ihre Wildpferdvorfahren sind zwar noch deutlich erkennbar, aber ebenso die verwilderten Hauspferde, die sich den Herden immer wieder angeschlossen haben. Früher gab es in Westfalen mehrere sogenannte Wildbahnen mit wild lebenden Pferdeherden, zum Beispiel im Emscherbruch, wo sich die „Emscherbrücher Dickköppe“ zwischen Waltrop und Bottrop tummelten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es aber eng für die Pferde – Teilung der Marken, wachsende Siedlungen und zuletzte auch die beginnende Industrialisierung beendeten das freie Leben in den Wildbahnen.

Einzig die Wildbahn im Merfelder Bruch ist übrig geblieben. Das ist den Herzögen von Croÿ zu verdanken, die die verbliebenen Wildpferde aus dem Merfelder Bruch und dem Emscherbruch einfangen ließen und sie auf der heutigen Wildbahn ansiedelten.Und dort leben sie bis heute weitgehend auf sich gestellt. Nur einmal im Jahr, immer im Mai,  werden die Pferde zusammengetrieben und die Jährlingshengste herausgefangen, denn das begrenzte Gebiet würde sonst zu bösen Revierkämpfen führen, weil es einfach nicht genug Platz für mehr als eine Herde bietet.

Pferde beobachten

Der Bulli rollt also den Weg durch den Wald entlang und auf den Parkplatz, nachdem wir unseren Eintritt bezahlt haben.

Wir spazieren über die Wiesen, bis wir zum Zaun gelangen, hinter dem die Herde steht. Die pferde sind es natürlich gewohnt, am Wochenende Besuch zu empfangen – und zwischendurch frage ich mich, wer hier eigentlich wen beobachtet. Besonders die Fohlen kommen neugierig zum Zaun und schauen sich die Menschen auf der anderen Seite interessiert an.

Ansonsten grasen die Pferde vor sich hin, trinken am Tümpel, dösen, beknabbern sich gegenseitig und geraten auch schonmal in Streit.

Wir schlendern am Zaun entlang und gucken. Insgesamt ist es hier wunderbar ruhig und entspannt.

Zum Abschied kochen wir noch einen Kaffee im Bulli auf dem parkplatz und trinken ihn an einem der Picknicktische, von wo aus wir die Pferde am Horizont erahnen können.

In der Westruper Heide

Der Bulli tuckert wieder zwischen Feldern und Wäldern entlang, und weil es gerade noch so schön sonnig ist und wir ganz entspannt sind, entscheiden wir uns für einen Zwischenstopp in der Westruper Heide.

Noch ist die Heide in dem kleine Heidegebiet am Rande der Haardt nicht ganz verblüht. In der Abendsonne schimmert es hier und da noch mal mehr, mal weniger deutlich violett.

Wir spazieren eine kleine Runde durch diese Landschaft – früher gab es hier viel mehr davon, die 63 Hektar, die übrig geblieben sind, stehen heute unter Naturschutz. Auf insgesamt 10 Kilometern sandiger Wege kann man sie erkunden. Zwischen Heide, Wacholder und Birken sind hier auch jede Menge Insekten, Vögel und auch Eidechsen zu entdecken. Mich interessiert allerdings eher das abendliche Lichtspiel über dieser faszinierenden Landschaft. Schön.

Entspannt nach Hause

Als wir zuhause ankommen, ist es schon dunkel.

Wir sind wahnsinnig froh, zumindest diese Mini-Reise mit dem Bulli noch hingekriegt zu haben, denn auf uns warten zwei weitere stressige Wochen. Zuhause wartet schon wieder der Wahlkampf-Wahnsinn auf uns…

Übernachtung: Stellplatz HüttendykWildpferdebahn im Dülmener Bruch
Stellplatz Hüttendyk in Dülmen.

Kostenlos.

Strom 2€/8Stunden

Zentral gelegen.

Mehr Infos hier.

Die Dülmener Wildpferde kann man von Maärz bis November samstags und sonntags besuchen.

Eintritt 3€ (Kinder 1,50€)

Mehr Infos hier.

 

 

 

 

 

 

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